Schöllenenschlucht
Beschreibung
Die Schöllenenschlucht spielte eine zentrale Rolle bei der Erschliessung der Gotthardroute, einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Europas. Diese strategische Lage machte das Urserntal zudem zum Ausgangspunkt für Reisen nach Westen (Furkapass) und Osten (Oberalppass). Um 1200 wurde die Schlucht durch den Bau der Twärrenbrücke und des «Stiebenden Stegs» erschlossen, vermutlich von den Walsern erbaut. 1585 entstand mit der Teufelsbrücke die erste Steinbrücke, die jedoch rund 60 Jahre später durch ein Unwetter zerstört wurde. 1707 sprengte der Tessiner Festungsbauer Pietro Morettini einen Durchgang durch den Kirchenbergfelsen und schuf mit dem Urnerloch den ersten Tunnel der Alpen. Der rund 60 Meter lange Tunnel machte den Weg durch die Schlucht deutlich sicherer. Im 19. Jahrhundert wurde die Route weiter ausgebaut, sodass sie auch von Kutschen und Schlitten befahren werden konnte. Mit der Eröffnung des rund 15 Kilometer langen Gotthardtunnels zwischen Göschenen und Airolo im Jahr 1882 verkürzte sich die Reisezeit über den Gotthard von fast einer Woche auf etwa neun Stunden.
Der Teufel in der Schöllenenschlucht
Ein markantes Element der Schlucht ist das Wandbild «Der Teufel mit Geissbock» des Urner Malers und Dichters Heinrich Danioth. Der Künstler brachte in den 1920er-Jahren den Expressionismus in den Kanton Uri und sorgte damit für grosses Aufsehen. 1950 entstand das Teufelsbild an einer steil abfallenden Felswand oberhalb der Teufelsbrücke. Das Werk war zunächst umstritten – es wurden sogar Unterschriften gesammelt, um es wieder entfernen zu lassen. 1955 musste das ursprüngliche Bild der Sprengung für die neue Nationalstrasse weichen. 1961 erhielt der Teufel jedoch einen neuen Platz etwas oberhalb der ursprünglichen Stelle. Seitdem blickt er von der Felswand über die Schlucht und die tosende Reuss. 2021 wurde das Wandbild restauriert.
Die Schöllenenschlucht heute erleben
Wer die Schöllenenschlucht heute erkunden möchte, kann während der Sommermonate den Schöllenen-Rundweg begehen. Die rund 30-minütige Wanderung führt entlang steiler Felswände und der rauschenden Reuss und bietet eindrucksvolle Einblicke in die Schlucht. Wichtig: Der Rundweg ist im Winter (November bis ca. Mai) nicht begehbar.
Besonders spannend ist die Audio-Tour «Mystische Schöllenen», die entlang des Weges zusätzliche Geschichten und Hintergründe zur Schlucht, zur Teufelsbrücke und zum Mythos Gotthard vermittelt. So lässt sich die eindrucksvolle Landschaft nicht nur sehen, sondern auch auf eine neue Art erleben.