Blog Sewenhütte

Tausche Bürojob gegen Hüttenleben

Andermatt, 16. Oktober 2026

Drei Wochen raus aus dem gewohnten Alltag, hinein ins Hüttenleben: Bereits während meines Studiums habe ich zwei Sommer auf der Sewenhütte im Meiental verbracht. Nun bin ich zurück – zwischen Bergpanorama, langen Arbeitstagen und vielen kleinen Begegnungen. Ein persönlicher Einblick in den Alltag auf einer Berghütte.

Zurück auf der Sewenhütte

Sieben Uhr. Mein Wecker klingelt. Ich drehe mich noch einmal kurz im Bett und spähe aus dem kleinen Fenster. Vor mir erstrahlt der Fleckistock, der höchste Urner Gipfel, im Morgenrot. Mein Blick schweift nach links in Richtung Sustenpass, der nur von ein paar Schleierwolken umgeben ist. Was für ein traumhafter Start in den Tag!

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Wenn der Tag erwacht: Morgenrot über dem Fleckistock im Meiental.

Normalerweise würde ich jetzt meine zwei Kinder wecken, mit ihnen und meinem Mann frühstücken, die Kinder in die Schule und in den Kindergarten schicken und anschliessend meiner bezahlten Arbeit als Projektleiterin bei Andermatt-Urserntal Tourismus nachgehen. Diesen Alltag habe ich jedoch ganz bewusst für drei Wochen hinter mir gelassen.

Bereits während meines Studiums habe ich zwei Sommer auf der Sewenhütte im Meiental verbracht. Damals habe ich allen gesagt: «Dies ist mit Abstand der schönste, aber auch der strengste Job, den ich je hatte.» Warum ich nun wieder hier bin? Nach 19 Jahren geben die Hüttenwarte Ursi und Walti Gehrig die Sewenhütte ab. Noch einmal das Leben auf der Hütte spüren, mit anpacken und diesen kleinen Mikrokosmos miterleben – genau das war mein Wunsch.

Ein eingespieltes System in den Bergen

Die Tage hier oben werden vom Wetter bestimmt. Dieser Sommer war extrem warm und durchgehend trocken, was lange und anstrengende Arbeitstage mit sich brachte. Die Sewenhütte bietet Platz für rund 60 Übernachtungsgäste. Dazu kommen zahlreiche Tagesgäste, denn die Hütte ist in rund eineinhalb Stunden zu Fuss erreichbar und der Zustieg auch für Kinder gut begehbar.

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Die Sewenhütte gehört der SAC-Sektion Pfannenstiel und liegt hoch über dem Meiental auf 2’148 Metern über Meer.

Als Ursi und Walti die Sewenhütte im Jahr 2008 übernahmen, übernachteten hier rund 1’900 Personen pro Sommer. Dieses Jahr dürfte sogar die Marke von 5’000 Übernachtungen geknackt werden. Mit dieser Entwicklung wachsen auch die Herausforderungen. Dabei ist der Betrieb einer solchen Hütte bereits an sich eine Meisterleistung: Vorräte kontrollieren, Bestellungen koordinieren, Versorgungsflüge mit der Helikopter-Crew absprechen, Menüs planen und Zimmer einteilen – all das muss ineinandergreifen.

Als Hüttenhilfe bin ich ein kleines Zahnrädchen in einem eingespielten System, das Ursi und Walti über 19 Jahre aufgebaut haben. Alle kennen ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Nur so funktioniert der Betrieb, wenn die Hütte voll ist.

Abwasch, Betten und viel Bergluft

Mein Tag beginnt in der Küche. Nach einem kurzen Frühstück mache ich mich an den Abwasch. Bei einer vollen Hütte dauert das trotz Abwaschmaschine eine ganze Weile: Teller, Gläser, Tassen, Besteck, Schüsseli – alles mal 60.

Anschliessend geht es in den oberen Stock, wo ich die Betten frisch herrichte. Praktisch jeden Tag bleibt irgendetwas liegen: Zahnbürsteli, Earpods, Trinkflaschen, Sonnenbrillen oder sogar gefüllte Lunchbags. Meist lässt das Telefon nicht lange auf sich warten. Die Gäste melden sich, um ihre vergessenen Sachen abzuholen, oder wir schicken sie ihnen nach Hause.

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Bettenmachen mit Aussicht auf die Fünffingerstöcke und den Sustenpass – mein Arbeitsplatz könnte schlechter liegen.

Auch WCs und Waschräume wollen gereinigt werden. Dazu kommen die Hüttenstube und der Eingangsbereich. Ist alles erledigt, bleibt meist Zeit für eine kurze Kaffeepause.

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Eine kurze Kaffeepause mit Aussicht – kleine Momente wie diese machen das Hüttenleben besonders.

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Auch Hüttenkater Pepino geniesst sein Leben hier oben sichtlich.

Danach stehen die nächsten Arbeiten in der Küche an: Kuchen backen, Suppengemüse schnippeln und allenfalls Fleisch für das Abendessen anbraten. Spätestens dann treffen auch die ersten Tagesgäste ein. Sie geniessen frischen Kuchen und Kaffee oder ein feines Mittagessen.

Sobald der grösste Mittagsansturm vorbei ist, beginnt meine Zimmerstunde. Diese eineinhalb Stunden nutze ich meist, um eine Runde laufen zu gehen. Nach dem Trubel in der Küche und der vielen Arbeit tut es gut, für einen Moment rauszukommen und durchzuatmen. Unterwegs werden die Gedanken ruhiger, der Blick schweift über die Bergwelt und plötzlich scheint die Zeit ein bisschen langsamer zu laufen.

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Zimmerstunde ist Bergzeit: eine kurze Pause in der Natur, bevor es auf der Hütte weitergeht.

Diese kleine Auszeit gehört für mich zu den schönsten Momenten des Tages. Sie hilft mir, den Kopf zu lüften und neue Energie zu tanken. Lange dauert die Pause allerdings nicht, denn zurück auf der Hütte geht es Schlag auf Schlag weiter: Salate rüsten, Desserts vorbereiten, Gästen ihre Zimmer zeigen, Wäsche aufhängen und Tische decken. Die Aufgaben gehen einem nie aus.

Wenn die Kuhglocke zum Abendessen ruft

Um 18 Uhr bimmelt Hüttenwartin Ursi mit einer Kuhglocke. Das Zeichen, dass das Abendessen bereit ist und die Gäste in der Hüttenstube Platz nehmen sollen. Der Raum füllt sich mit Leben, es wird gelacht und die Kinder fragen neugierig: «Was gibt es zum Dessert?»

Der Abendservice vergeht wie im Flug. Danach steht wieder Abwaschen auf dem Programm. Teller, Besteck, Gläser – alles mal 60. Erst gegen 19.30 Uhr gibt es für das Hüttenteam Abendessen. Während in der Hüttenstube noch diskutiert, gelacht und gemalt wird, putzen wir die Küche und bereiten das Frühstück vor. Oft bleibt danach sogar noch etwas Zeit für ein Gesellschaftsspiel oder ein Glas Wein.

Um 22 Uhr ist Nachtruhe. Draussen ist es bereits stockfinster. Nur im Mondschein erkenne ich die Silhouetten der umliegenden Berge. Ein weiterer Tag auf der Hütte geht zu Ende.

Drei Wochen, die bleiben

Manchmal ist es laut, manchmal anstrengend und die Tage sind lang. Die drei Wochen haben mir einmal mehr gezeigt, wie viel Einsatz hinter dem Betrieb einer Hütte steckt und wie wichtig das Zusammenspiel im Team ist. Gleichzeitig sind es die kleinen Begegnungen, die besondere Stimmung und die Nähe zur Natur, die diesen Ort für mich so einzigartig machen.

Bald kehre ich zurück in meinen gewohnten Alltag mit Familie und Bürojob. Die Sewenhütte und die Erinnerungen an diese drei Wochen werde ich aber mitnehmen. Und eines steht fest: Für nichts auf der Welt möchte ich diese Erfahrung missen.

Gabriela ist in Seedorf aufgewachsen und heute Wahl-Urschnerin. Gemeinsam mit ihrer kleinen Familie lebt sie in Andermatt und verbringt ihre Freizeit am liebsten draussen in der Natur. Ob beim Wandern, Klettern oder auf Entdeckungstour mit der Familie – die Urner Bergwelt ist ihr Zuhause. Im Winter tauscht sie die Wanderschuhe gegen Skier und ist mit Begeisterung auf der Piste, beim Freeriden oder auf Skitouren unterwegs.
Gabriela Bissig
Gast-Bloggerin
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