Herzblut und Kindheitstraum – unterwegs mit Pistenbully-Fahrer Stefan Regli

Andermatt, 4. März 2026

Herzblut und Kindheitstraum – unterwegs mit Pistenbully-Fahrer Stefan Regli Freitagabend, 16:30 Uhr, Andermatt, Nätschen. Während unten im Tal langsam der Feierabend beginnt und von der Alphittä die Après-Ski-Musik leise am Berg zu hören ist, beginnt Stefan Regli seine Arbeit. Er begrüsst mich herzlich, dann geht es zuerst in den Pausenraum. Eine kurze Besprechung mit den Kollegen, die Aufgabenverteilung des Tages, letzte Absprachen. Warten auf die finale Pistenkontrolle, dann geht es los. Ab in den Pistenbully.

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Pistenpräparation an der Winde

Hinaus in den Abend

Sieben Maschinen starten von der Mittelstation Nätschen aus – 19 Pistenfahrzeuge sind jeden Tag im gesamten Gebiet Andermatt+Sedrun+Disentis unterwegs. Es ist ein beeindruckendes Bild, wie sie zusammen aus der Garage herausfahren, um nach und nach auf ihre jeweilige Tagesroute abzubiegen. Mit Stefan sind wir heute für die Pistenpräparation zwischen Nätschen und Gütsch zuständig.

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Sieben Pistenbullys sind für die Präparation des Gebiets Andermatt-Nätschen-Gütsch-Oberalppass jeden Abend unterwegs.

Vom Kindheitstraum zum Beruf

Angefangen hatte für Stefan alles bei einem Gespräch mit dem damaligen Fahrerchef. «Es ist ein Kindheitstraum gewesen», sagt er. Schon früh war klar: Irgendwann will er selbst in einer dieser grossen Maschinen sitzen. Inzwischen ist er bereits in der neunten Saison, trotzdem merkt man ihm den Spass an der Arbeit noch an. So lange dabei zu sein, sei keinesfalls selbstverständlich: «Viele machen den Job zwei bis drei Jahre und möchten dann etwas anderes.» Und bei ihm? «Herzblut und Leidenschaft. Ich glaube, das braucht es auch in diesem Beruf. Ich komme gerne zur Arbeit, freue mich die Kollegen zu sehen und mit der Maschine auf die Piste zu gehen.»

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14 Tonnen Präzision

Meter um Meter bahnen wir uns den Weg auf der Piste nach oben. Über 600 PS brummen unter uns und es fühlt sich auch so an, dass es jede einzelne Pferdestärke braucht, um die 14 Tonnen der Maschine durch den frühlingshaften nassen Schnee zu bewegen. Dann ein kurzer Stopp, die Winde wird an einem Ankerpfosten befestigt. Aus gutem Grund: «Ohne Winde kommst du von unten nicht gut hoch. Und wenn du oben runterfährst, fängst du an zu rutschen, gräbst dich ein und am Schluss wird der Pistenbully schöner als die Piste», sagt Stefan mit einem Schmunzeln. An der Winde befestigt beginnen wir die Präparation unserer ersten Piste. Die Schaufel vorne an der Maschine verteilt den von 1’000 Abfahrten nach unten geschobenen Schnee wieder gleichmässig auf der Piste. Die Herausforderung dabei: «Man muss die Piste lesen. Wo braucht es wie viel Schnee? Ich darf nicht zu viel schieben – das schadet der Piste. Nur so viel, wie die Skifahrer und Skifahrerinnen am Tag weggerutscht haben.»

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An verankerten Pfosten wird die Winde des Pistenbullys eingehakt.

Ein farbiger Bildschirm erleichtert die Arbeit

Wenn man Stefan bei der Arbeit beobachtet, fällt auf: Es ist ein ständiges Justieren. Sein Blick ist permanent vorne auf den Schnee und auf das Schild gerichtet, seine Hände nehmen die Korrekturen an den Kontrollern fast schon automatisch vor. Manchmal wird die Pistenoberfläche nur um einige Millimeter gestreichelt, an anderen Orten schieben wir einen riesigen Haufen Schnee vor uns her. Fingerspitzengefühl und ein gutes Auge sind gefragt. Hin und wieder fällt sein Blick auf den farbigen Bildschirm vor ihm. Anhand von Vermessungen im Sommer und der Technik im Pistenfahrzeug sehen wir hier auf jedem Zentimeter Piste, wie viel Schnee sich unter uns noch befindet. «Vor allem wenn es wenig Schnee hat, erleichtert es die Arbeit sehr. Man sieht genau, wo noch Schnee hingestossen werden muss, das macht die Arbeit schneller und effizienter.»

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Mit Controllern lenkt Stefan die Bewegungen des Pistenbullys, der Schaufel, der Fräse und des Finishers.

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Dank moderner Vermessungstechnik weiss der Fahrer immer genau, wie viel Schnee noch unter der Maschine liegt.

Jetlag ohne Flug

Ein normaler Arbeitstag beginnt für Stefan um 16:30 Uhr, je nach Schneeverhältnissen ist zwischen 02:00 und 07:00 Uhr morgens Feierabend. «Vor der Saison können wir uns auf die Zeit bereits etwas eingrooven, während wir die Pisten vorbereiten, bevor mit dem Saisonstart die ersten Gäste auf den Berg kommen. So ist es während der Saison der normale Rhythmus für mich.» Der Wechsel in einen normalen Tagesablauf nach Saisonende fällt dann doch schwerer. «Es ist wie bei einem Jetlag, wenn man beispielsweise aus den USA zurückfliegt. Die ersten Tage sind jedes Jahr wieder eine Herausforderung.»

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Ohne Windenunterstützung wäre die gute Präparation einer steilen Piste kaum möglich.

Eine Lieblingspiste und Teamgeist per Funk

Inzwischen sind wir am zweiten Präparationsabschnitt angekommen. Gleiches Spiel wie vorher: Nach oben kämpfen, Winde einhängen, Schnee verteilen, anschliessend mit der Fräse und dem Finisher hinten an der Maschine die Riffel auf die geglättete Piste auftragen. Zwei bis drei Tage ist jeder Fahrer auf der gleichen Strecke unterwegs, danach wird gewechselt. «Einfach, dass man neue Herausforderungen hat und es nicht jeden Tag die gleiche Arbeit ist», so Stefan. Eine Lieblingspiste haben die meisten Fahrer auch. «Piste 30, zwischen Schneehüenerstock und Oberalppass, die fährt eigentlich jeder gern.» Als einige der wenigen Pisten im Gebiet Andermatt-Sedrun arbeitet man hier ausschliesslich mit Naturschnee. Oft muss Schnee von ausserhalb der Piste hereingeholt werden. Sprenganlagen können zusätzlich helfen, Schnee in kritische Bereiche zu bringen.

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Stefan Regli ist in ständigem Funkkontakt mit den Kollegen.

Über Funk halten sich die Fahrer über ihre jeweilige Position auf dem Laufenden. Kommunikation ist entscheidend, besonders wenn mit der Winde gearbeitet wird. « Ein Pistenbully, der in ein gespanntes Windenseil fährt, braucht niemand.» Es fühlt sich nach Teamwork an, obwohl sich viele Fahrer nur zu Beginn und bei Dienstende sehen. «Jeder macht das Beste auf seinem Teil des Gebiets. So kommt es am Ende zusammen.»

Eine Leidenschaft, die bleibt

Nach zwei Stunden Präparation bin ich als Beifahrer fasziniert von dem Zusammenspiel aus Maschinenpower und menschlicher Genauigkeit bei der Steuerung, stelle dann aber doch die Frage: «Wird es nie langweilig?» Stefan lacht kurz. «Diese Frage höre ich sehr oft, wenn ich sage, dass ich eine Pistenmaschine fahre. Ich würde sagen, man lebt ein bisschen dafür. Ich habe eine schöne Maschine, eine spannende Arbeit und das Team ist gut – das ist sehr viel wert.»

Am nächsten Morgen werden tausende Gäste über die präparierten Pisten fahren. Kaum jemand wird sich fragen, wie viel Gefühl, Präzision und Erfahrung Stefan Regli und seine Kollegen jeden Tag für ihre Arbeit brauchen. Am Abend wird Stefan dann wieder alleine in seiner Kabine sitzen – zwischen Technik und Natur, zwischen Dunkelheit und Scheinwerferlicht. Für ihn ein Kindheitstraum, der jeden Abend neu beginnt.

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